Rentenblog – Meinung machen

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Bild von lachender Annelie Buntenbach in roter Jacke vor weißer Wand

Buntenbach im Interview: „Wir fordern einen Kurswechsel“

In der Rentenpolitik muss sich jede Menge ändern. „Wir fordern einen Kurswechsel mit dem Ziel, die Alterssicherung in Deutschland zu stärken und sozialen Abstieg und Armut im Alter zu verhindern“, beschreibt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach die Ziele der DGB-Rentenkampagne.

Annelie Buntenbach ist Mitglied im Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand

Worum geht es bei der DGB-Rentenkampagne konkret?

Wir fordern einen Kurswechsel mit dem Ziel, die Alterssicherung in Deutschland zu stärken und sozialen Abstieg und Armut im Alter zu verhindern. Dreh- und Angelpunkt ist aus unserer Sicht die gesetzliche Rentenversicherung und damit das Rentenniveau. Als erstes muss das Niveau der gesetzlichen Rente stabilisiert werden. Dies ist für uns die Grundlage für eine gute Alterssicherung. Für diesen Kurswechsel wollen wir in einer breit angelegten Kampagne des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften werben.

Was muss sich in der Rentenpolitik ändern?

Wir haben Vorschläge gemacht, wie die Rente über 2030 hinaus auf dem heutigen Niveau stabilisiert werden kann. Ein stabiles Rentenniveau ist auch mit dem von der Politik vorgegebenen Beitragssatzziel von 22 Prozent möglich. Dafür wollen wir die Nachhaltigkeitsrücklage in kleinen Schritten zu einer Demografiereserve ausbauen. Nötig ist dafür, die Beiträge nicht höher, aber früher anzuheben als bislang vorgesehen – und das in planbaren, kleinen und verkraftbaren Schritten. Wir brauchen außerdem eine bessere flexible Absicherung der Übergänge von der Arbeit in die Rente. Hier stürzen zu viele ab, und ihre Lebensleistung wird auf den letzten Metern entwertet. Auch im Fall von Erwerbsminderung müssen die Beschäftigten besser abgesichert werden. Hier gilt es, die Lücken, die in den Erwerbsbiografien etwa durch Arbeitslosigkeit, prekäre Selbstständigkeit, Pflege oder Kindererziehung entstanden sind, zu schließen.

Eigentlich sollte doch die Riester-Rente das Rentenniveau stabilisieren?

Das sollte sie, aber die Bilanz nach 15 Jahren Riester-Rente zeigt: Man kann mit privater Vorsorge – auch Riester-gefördert – nicht die Lücken schließen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung gerissen worden sind. Daraus muss die Politik jetzt Konsequenzen ziehen. Die Leistungen in der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente müssen so aussehen, dass auch in Zukunft eine angemessene Altersabsicherung gewährleistet ist.

Ein Vorwurf lautet, dass Jüngere für ein höheres Rentenniveau bezahlen müssen. Stimmt das?

Nein, so einfach ist das nicht. Denn das sinkende Rentenniveau ist gerade für junge Menschen ein Problem. Wenn es weiter abgesenkt wird, reicht die Rente später – wenn die heute Jungen sie brauchen – nicht mehr zum Leben. Private Vorsorge kommt sie teurer zu stehen als Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Denn dort zahlen die Arbeitgeber paritätisch mit. Zudem ist es fraglich, ob der Kapitalmarkt bei all seinen Unwägbarkeiten in 20, 30 oder 40 Jahren für so viel Sicherheit und gute Rendite sorgt wie die umlagefinanzierte Rente. Kaum anzunehmen.

Wo kann die Bundesregierung noch vor der Bundestagswahl 2017 ansetzen?

Sie sollte die Absenkung des Rentenniveaus beenden und in Richtung auf eine Stabilisierung des Rentenniveaus umsteuern. Als ersten Schritt sollte die große Koalition ab sofort die sogenannte Mütterrente aus Steuermitteln finanzieren, statt weiter in die Beitragskasse zu greifen. Die Mütterrente ist schließlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Porträt von Mann mit Bart und dunklen Haaren, der auf einer Bank sitzt

Nizar S., Krankenpfleger, 36 Jahre Mein Job ist extrem anstrengend und in Vollzeit nicht bis 67 zu schaffen. Dazu noch weniger Beiträge durch Erziehungszeiten oder Ähnliches. Da werde ich nach 45 Jahren wohl nicht mal die errechneten 1.084 Euro Rente kriegen.